Hormonstörende Chemikalien in Kinderspielzeug entdeckt: Ein weiterhin bestehendes Gesundheitsrisiko

Gefährliche Chemikalien begleiten uns täglich – in Kosmetika, Reinigungsmitteln, Lebensmittelverpackungen, Möbeln, Textilien oder Spielzeug. Viele dieser Stoffe können die menschliche Gesundheit beeinträchtigen oder die Umwelt belasten. Gleichzeitig ist es für Verbraucher*innen oft schwierig zu erkennen, welche Produkte problematische Inhaltsstoffe enthalten und welche Alternativen es gibt.
Genau hier setzte das europäische LIFE ChemBee-Projekt an. Gemeinsam mit elf Partnerorganisationen aus neun europäischen Ländern entwickelte und erprobte BEF Deutschland neue Wege, Verbraucher*innen dabei zu unterstützen, Schadstoffe im Alltag zu erkennen, ihre persönliche Chemikalienbelastung zu reduzieren und dieses Wissen als Multiplikator*innen an andere Menschen weiterzugeben.
Wissen, das Veränderungen bewirkt
Herzstück des Projekts war die Ausbildung freiwilliger Chemical Ambassadors. Die Teilnehmenden lernten, wie sie problematische Chemikalien im Haushalt erkennen, gesundheitliche Risiken besser einschätzen und praktische Alternativen für einen schadstoffärmeren Alltag finden können. Anschließend gaben sie dieses Wissen an Familie, Freund*innenkreis, Nachbarschaft und weitere Haushalte weiter.
Als zentrale Werkzeuge kamen der bereits im Vorgängerprojekt NonHazCity entwickelte Haushaltscheck für Chemikalien sowie die App Scan4Chem aus dem LIFE-Projekt AskREACH zum Einsatz. Beide Instrumente unterstützen Verbraucher*innen dabei, informierte Kaufentscheidungen zu treffen und problematische Produkte leichter zu erkennen.
Erfolgreiche Ausbildung von Chemikalinebotschafter*innen
BEF Deutschland führte zwischen Herbst 2022 und Frühjahr 2026 acht Online-Ausbildungsreihen durch. Die ersten drei Kurse bestanden aus jeweils sieben interaktiven Live-Seminaren. In den späteren Ausbildungsrunden wurde das Konzept weiterentwickelt und durch digitale Selbstlernmodule zu Themen wie „Wohnen und Renovieren“ sowie „Kinder und andere Risikogruppen“ ergänzt. Weitere Vertiefungsveranstaltungen behandelten unter anderem die Themen „Detox your Garden“ und „Wie dein Chemikalien-Detox das Klima schützt“.
Alle Live-Veranstaltungen wurden aufgezeichnet und gemeinsam mit umfangreichen Lernmaterialien dauerhaft auf der Lernplattform Moodle bereitgestellt. Während sich deutschlandweite Mastermind-Gruppen aufgrund der großen räumlichen Entfernung der Teilnehmenden als wenig praktikabel erwiesen, förderten Chat- und Forengruppen den fachlichen Austausch und die gegenseitige Unterstützung deutlich erfolgreicher.
Zusätzlich organisierte BEF Deutschland drei Präsenztrainings in Hamburg. Diese dienten insbesondere dem persönlichen Netzwerken sowie der Vermittlung von Kommunikations- und Coachingmethoden, mit denen die Botschafter*innen weitere Haushalte für das Thema sensibilisieren konnten.
Insgesamt bewarben sich 665 Personen für die Ausbildung bei BEF Deutschland. 243 Teilnehmer*innen schlossen die Ausbildung erfolgreich ab und engagierten sich anschließend als Chemikalienbotschafter*innen.
Europaweite Rekrutierung mit beeindruckender Reichweite
Zwischen Januar 2023 und Januar 2026 wurden europaweit über 50 Rekrutierungskampagnen durchgeführt. Dabei setzte das Projekt auf eine Kombination aus Social Media, Influencer*innen-Kooperationen, Newslettern, Veranstaltungen, Nachhaltigkeitsmessen sowie gedruckten Informationsmaterialien.
Die Kampagnen übertrafen die ursprünglichen Projektziele deutlich:
- 4.508.493 erreichte Personen
- 24.725 Anmeldungen zur Chemikalienbotschafter*innen-Ausbildung
Auch BEF Deutschland konnte einen wichtigen Beitrag zu diesem Erfolg leisten. Die eigenen Rekrutierungskampagnen erreichten 312.567 Menschen und führten zu 665 Anmeldungen für die Ausbildung.
Gemeinsam für einen schadstoffärmeren Alltag
Während des Projekts zeigte sich deutlich, dass gut verständliche Informationen, praxisnahe Werkzeuge und persönliche Multiplikator*innen Menschen zu nachhaltigen Veränderungen ihres Konsumverhaltens motivieren können. Gleichzeitig wurde aber auch deutlich, dass Verbraucher*innen allein die Verantwortung für einen besseren Schutz vor gefährlichen Chemikalien nicht tragen können. Viele Belastungen entstehen durch Produkte und Stoffe, auf deren Zusammensetzung Einzelne nur begrenzten Einfluss haben.
LIFE ChemBee leistete daher nicht nur einen wichtigen Beitrag zur Umweltbildung, sondern lieferte auch wertvolle Erkenntnisse für Politik, Behörden und Organisationen darüber, wie Verbraucher*innen künftig noch wirksamer beim Schutz vor gefährlichen Chemikalien unterstützt werden können.
Projektdetails
- Projektname: LIFE ChemBee
- Projektleitung: Baltic Environmental Forum Deutschland
- Themenbereiche: Chemikalienmanagement
- Gefördert durch: Das Programm LIFE der Europäischen Union
- Laufzeit: 10/2022 – 06/2026
Beteiligte Länder
Deutschland, Finnland, Frankfreich, Griechenland, Österreich, Polen, Portugal, Schweden, Tschechien
Projektmitarbeitende

Das Projekt LIFE ChemBee (No. LIFE21/GIE/DE/101074245) wird durch das LIFE-Programm der Europäischen Union kofinanziert. Die darin geäußerten Ansichten und Meinungen sind jedoch ausschließlich die der Autor*innen und spiegeln nicht unbedingt die der Europäischen Union oder der CINEA wider. Weder die Europäische Union noch die Bewilligungsbehörde können dafür haftbar gemacht werden.
Die Rolle der Endverbraucher*innen – Executive Summary
Diese Executive Summary gibt einen Überblick über die wichtigsten Ergebnisse des LIFE ChemBee-Berichts „Do End-Users Matter?“. Im Mittelpunkt steht die Frage, ob Verbraucher*innen durch Wissen, praktische Hilfsmittel und bewusste Kaufentscheidungen ihre Belastung durch gefährliche Chemikalien in Alltagsprodukten reduzieren können. Die Ergebnisse zeigen sowohl das Potenzial von Verhaltensänderungen als auch die Grenzen individueller Verantwortung und unterstreichen die Bedeutung ergänzender politischer und regulatorischer Maßnahmen für einen wirksamen Verbraucher*innenschutz.
Umweltbewusstsein und Konsumverhalten in türkisch- und arabischsprachigen Gemeinschaften in der EU
Wie können Umwelt- und Gesundheitsthemen kultursensibel vermittelt werden? Dieser Bericht fasst die Erkenntnisse des LIFE ChemBee-Arbeitspakets zu türkisch- und arabischsprachigen Gemeinschaften in Deutschland und Österreich zusammen. Er zeigt, wie Vertrauen, persönliche Ansprache und kulturell angepasste Bildungsangebote dazu beitragen können, das Bewusstsein für Schadstoffe im Alltag zu stärken und nachhaltige Verhaltensänderungen anzustoßen. Gleichzeitig gibt der Bericht wertvolle Empfehlungen für die erfolgreiche Einbindung von Migrant*innengemeinschaften in zukünftige Umwelt- und Gesundheitsprojekte.
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