GEFÄHRLICHE CHEMIKALIEN

Wissenswertes über gefährliche Stoffe

Dies sind industriell hergestellte chemische Stoffe, die die Umwelt und die menschliche Gesundheit schädigen können. Grundsätzlich können alle chemischen Substanzen eine solche Wirkung haben, wenn sie in großen Mengen und ohne notwendige Vorkehrungen verwendet werden. Unser Fokus liegt aber auf Stoffen, die im europäischen Recht als „besonders besorgniserregende Substanzen“ bezeichnet werden. Diese Stoffe: • sind carcinogen (erregen Krebs) • sind mutagen (verändern die DNA) • vermindern die Fruchtbarkeit oder schädigen den Fötus (reprotoxisch) • sind in der Umwelt nicht abbaubar, können sich im Körper ablagern oder sind giftig • stören das Hormonsystem (endokrine Disruptoren). Diese Substanzen werden in der Produktion immer noch häufig eingesetzt – und das, obwohl sicherere Alternativen verfügbar sind.
Im Allgemeinen hängen die Gefahren eines Stoffes von seinen chemisch-physikalischen Eigenschaften ab, und diese können nicht verändert werden, ebenso wie die Farbe Ihrer Augen ein Merkmal Ihres Körpers ist und nicht verändert werden kann. Die Gefahren, die von bestimmten Stoffen ausgehen und die damit verbundenen Schäden können unterschiedlich sein. Ernsthafte Gefahren für die menschliche Gesundheit gehen vor allen Dingen von Krebs erregenden, die Fruchtbarkeit schädigenden und Genom verändernden Substanzen aus. Darüber hinaus können Stoffe das Funktionieren des Hormonsystems stören oder Allergien auslösen.
Stoffe können auch Schwerere Schäden in der Umwelt verursachen (und für den Menschen, weil sie in Lebensmitteln aus der Umwelt gefunden werden) wenn sie 1) persistent sind – das bedeutet, dass sie nicht in der Umwelt abgebaut werden und sich dort über Jahre und Jahrzehnte halten. Bei fortlaufenden Emission steigt ihr Anteil im Laufe der Zeit. 2) bioakkumulierend sind – das heißt, sie werden von Tieren oder Menschen oft im Fettgewebe gespeichert. Diese Substanzen enden schließlich in unserer Nahrung, z.B. in Fischfetten. Bioakkumulierend bedeutet, dass sich diese Substanzen am oberen Ende der Nahrungskette konzentrieren – also bei uns!
Gefährliche Chemikalien können aus natürlichen Quellen oder aus industrieller Produktion stammen. Sie werden zur Herstellung unserer täglichen Konsumgüter eingesetzt oder in sehr geringen Mengen Produkten zugesetzt, um diesen wiederum eine gewisse Eigenschaft zu verleihen. Beispielsweise werden Phthalate dazu verwendet, um Kunststoffe weicher zu machen. Wenn wir täglich verschiedene Produkte kaufen und verwenden, sind wir einer Vielzahl von gefährlichen Stoffen ausgesetzt, die durch den Gebrauch dieser Produkte freigesetzt werden.

Ja, das sind sie! Einige gefährliche Stoffe können Wirkungen hervorrufen, auch wenn wir mit ihnen in sehr geringen Mengen in Berührung kommen. Die Exposition gegenüber Substanzen, die Krebs oder genetische Schäden verursachen können, sollte auf das Nötigste beschränkt werden – das ist die beste Vorsorge. Darüber hinaus sind wir nicht nur einer einzigen Substanz zu einer Zeit, sondern vielen verschiedenen Chemikalien gleichzeitig ausgesetzt. Wir wissen nicht, ob und wie Wechselwirkungen entstehen und in welchem Umfang sie die negativen Effekte bestimmter Stoffe verstärken – dieses Phänomen wird mit dem Begriff Cocktail-Effekt bezeichnet.

Einige Stoffe, insbesondere solche, die den Hormonhaushalt stören, wirken schon in extrem niedrigen Konzentrationen. Einige Wissenschaftler glauben, dass schon eine ständige, niedrige Exposition gegenüber vielen verschiedenen gefährlichen Chemikalien unser Immunsystem auf Dauer schwächt und unsere Fähigkeit auf Stress zu reagieren beeinträchtigt. Ein Hinweis darauf, dass diese Theorie wahr sein kann, ist die Zunahme von Allergien. In einem Spiel mit vielen Unbekannten, bedeutet jede Verminderung des Kontakts zu gefährlichen Stoffen einen langfristigen Vorteil für unser Wohlergehen und das unserer Umwelt!

Gefährliche Stoffe können aus Verbraucherprodukten stammen. Wenn sie z. B. in Shampoos enthalten sind, werden sie mit dem Wasser in das Abwassersystem abgegeben. Sie können auch aus industriellen Prozessen und Produktionsstätten in Luft, Wasser oder Boden abgegeben werden. Manchmal wirken diese Emissionen direkt auf bestimmte Lebensräume (z. B. Flüsse und Seen) ein, manchmal werden Abwässer in kommunalen oder industriellen Kläranlagen gereinigt und danach in die Umwelt abgegeben. Diese Kläranlagen entfernen zwar einen Großteil der gefährlichen Stoffe aus dem Abwasser. Allerdings wird eine bestimmte Menge trotz Reinigung freigegeben oder sie werden gar nicht erfasst und abgebaut.
Chemikalien können auch von anderen Produkten emittiert werden, wenn sie älter werden oder unter extremen Bedingungen verwendet werden. Substanzen, die in Autoreifen verwendet werden, landen zusammen mit dem Gummiabrieb während des Fahrens auf dem Straßenbelag und werden mit dem nächsten Regen in die Kanalisation gespült. Auch diese Stoffe enden in der Umwelt.
Gefährliche Stoffe können das Funktionieren von Ökosystemen stören. So können zum Beispiel einige Substanzen Geschlechtsveränderungen bei Fischen verursachen, was zu einer wachsenden Zahl männlicher Individuen und zu einer dauerhaften Abnahme der Populationsgröße führt. Sie können auch viele unterschiedliche Organismen beeinflussen, z.B. wenn sie den Druck der allgemeinen Umweltbelastung so verstärken, dass dadurch die Widerstandsfähigkeit eines gesamten Ökosystems so weit verringert wird, bis es zusammenbricht.
Gefährliche Chemikalien können auf drei verschiedenen Wege mit dem Körper in Kontakt kommen oder in diesen gelangen: 1) Hautkontakt tritt bereits auf, wenn der Stoff auf der Hautoberfläche bleibt. Zusätzlich können Substanzen in die Haut und die Schleimhäute des Auges eindringen. Wenn sie in den Körper gelangen, können sie in andere Teile des Körpers transportiert werden. 2) Durch unsere Atmung können wir gefährliche Stoffe aus der Luft aufnehmen. Chemikalien können entweder direkt in der Lunge deponiert oder in den Blutkreislauf absorbiert und im ganzen Körper verteilt werden. 3) Einige Stoffe dringen in unseren Körper über Nahrung oder versehentliche Einnahme ein. Sie gelangen über unser Verdauungssystem in den Blutkreislauf und werden danach im Körper verteilt.
Kinder sind empfindlicher gegenüber der Exposition durch gefährliche Chemikalien, weil sie im Verhältnis zu ihrem (geringen) Gewicht eine größere Hautoberfläche als Erwachsene haben. Daher ist das Verhältnis zwischen den potentiell in den Körper eintretenden Stoffen und dem Körpergewicht der Kinder höher. Dies wiederum führt zu einer höheren Konzentration dieser Stoffe im Körper. Die Haut eines Babys ist beträchtlich dünner als die eines Erwachsenen, d. h. die Funktion der Haut als Barriere ist nicht vollständig entwickelt; Atmungssysteme entwickeln sich noch, Kinder neigen dazu, durch ihren Mund zu atmen.
Kleinere Luftwege verstopfen schneller mit Schadstoffen. Der kindliche Stoffwechsel ist anfälliger gegenüber Störungen. Immun- und Nervensysteme entwickeln sich noch und können sogar durch geringe Mengen toxischer Substanzen geschädigt werden; Kinder haben eine schnellere Aufnahme von Chemikalien und eine langsamere Entfernung aus ihrem Körper Ihre Organe und ihr Immunsystem haben dem „chemischen Angriff“ weniger entgegenzusetzen. Kinder sind durch Störungen des Hormonsystems besonders gefährdet, da sie sich noch in der körperlichen Entwicklung befinden.
Zwar wächst das Wissen über bereits länger verwendete Substanzen, gleichzeitig kommen immer neue chemische Substanzen auf den Markt, deren Langzeitwirkung nicht immer abgeschätzt werden kann. Obwohl sich unser Wissen über die Wirkungen einzelner Substanzen verbessert, haben wir jedoch vergleichsweise wenige Informationen über die Wirkungen dieser Chemikalien, wenn sie in Kombination auftreten. Dies ist besonders besorgniserregend, da wir in der Regel nicht nur einer Substanz gleichzeitig ausgesetzt sind, sondern in unserem Alltag vielen gefährlichen Stoffen begegnen.
Dies wird gemeinhin als “Chemikalien-Cocktail” bezeichnet. Ein weiteres Problem ist, dass es bestimmte Gesundheitseffekte gibt, die erst seit kurzer Zeit bekannt sind. Dies betrifft vor allem Störungen des Hormonsystems. Hier gibt es noch keine eindeutigen Kriterien, mit deren Hilfe man entscheiden könnte, ob bestimmte Substanzen diese Eigenschaften aufweisen oder nicht. Die betreffenden Substanzen können schon bei extrem niedrigen Dosen wirken und besonders Kinder in ihrer körperlichen Entwicklung beeinflussen. Es bestehen weiterhin viele Unsicherheiten über “Cocktail-Effekte”, Störungen des Hormonhaushalts und die Auswirkungen einer lebenslangen Exposition, bei der auch geringe Mengen an Chemikalien eine Belastung darstellen können. Im Sinne des Vorsorge-Prinzips sollten wir daher, wo möglich, den Kontakt zu gefährlichen Stoffen einschränken, wo es nur geht – auch wenn keine aktuellen Gesundheitsprobleme bestehen, die sich auf gefährliche Stoffe zurückführen lassen.
Es gibt eine fast unüberschaubare Anzahl von Chemikalien, die wir benutzen oder in der Vergangenheit benutzt haben. Einige dieser Stoffe wurden verboten, nachdem ihre schädliche Wirkung offenkundig geworden war. Zumindest gilt dies für den europäischen Markt. Andere, ebenfalls gefährliche Stoffe, dürfen in bestimmten Produkten nicht verwendet werden: So gelten strengere Regeln für Kinderspielzeug. Im Allgemeinen dürfen Nutzungsbeschränkungen für gefährliche Stoffe vom Gesetzgeber nur festgesetzt werden, wenn nachgewiesen wird, dass vom betrachteten Stoff ein Risiko für Mensch oder Umwelt ausgeht. Daher können Risiken, die sich daraus ergeben, dass man mehreren, potentiell wechselwirkenden Stoffen ausgesetzt ist, nicht durch Gesetze geregelt werden. Auch wenn Risiken noch nicht identifiziert bzw. spezifiziert sind, ist eine Regulierung kaum möglich. Zweitens, auch wenn gefährliche Stoffe in der EU eingeschränkt werden, kann es Unternehmen geben, die diese Stoffe dennoch verwenden und so gegen die Rechtsvorschriften verstoßen, sei es wissentlich, oder weil sie diese Verpflichtungen nicht kennen. Importierte Produkte scheinen häufiger in Übereinstimmung mit den Rechtsvorschriften als EU-produzierte Produkte zu sein.
In unserem Alltag kommen wir fast ständig mit gefährlichen Stoffen in Berührung. Dies vollständig zu vermeiden ist unmöglich. Was wir aber tun können, ist, den Kontakt zu gefährlichen Stoffen zu minimieren und damit den Cocktail-Effekt, also das Zusammenwirken verschiedener Chemikalien, über das wenig bekannt ist, zu entschärfen. Deshalb: erst denken, dann kaufen! Lesen Sie die Etiketten und Beschriftungen der Produkte sorgfältig durch und lernen Sie, schädliche Bestandteile zu erkennen und nicht zu kaufen. Benutzen Sie Apps, die Ihnen bei der Auswahl helfen. Fragen Sie Einzelhändler und Hersteller nach Produkten mit weniger gefährlichen Stoffen. Verwenden Sie Produkte nur nach den Anweisungen des sicheren Gebrauchs. Waschen Sie neue Spielzeuge vor Gebrauch. Weitere Information finden Sie auf unsere Website unter jeder Produktgruppe.
Stöbern Sie durch die Informationen unter verschiedenen Produktgruppen und Chemikalien auf unserer Website, drucken Sie diese aus und nehmen Sie diese Kaufhilfe mit zum Einkaufen. Es gibt auch eine Menge Informationen über das Thema auf verschiedenen Internetseiten.