Chemikalienmanagement

Wie gefährlich sind Zigarettenstummel?

Zigarettentabak enthält eine Vielzahl an Giftstoffen – das ist den meisten Menschen bekannt. Doch wie schädlich sind die Filter, die nach dem Rauchen übrigbleiben?

1 (Foto: S. Kurfeß, unsplash.com)

Etwa drei Viertel aller Raucher:innen entsorgen ihre aufgerauchten Zigaretten unsachgemäß in der Umwelt. Demnach finden weltweit jährlich etwa 4,5 Billionen (4.500.000.000.000) Zigarettenstummel ihren Weg in die Natur, weil sie aus Bequemlichkeit oder aufgrund von fehlendem Wissen über die Folgen in die Umwelt geworfen werden.

Da Zigarettenfilter aus dem Kunststoff Cellulose Acetat bestehen, sind sie nicht biologisch abbaubar. Doch nicht nur die Kunststoffmenge stellt bei unsachgemäßer Entsorgung eine Gefahr für Tiere und Pflanzen dar. Eine Zigarette enthält über 3800 chemische Verbindungen, von denen mindestens 40 krebsauslösend wirken. Die Aufgabe des Filters besteht darin, diese Giftstoffe herauszufiltern und somit das Gesundheitsrisiko zu verringern und gleichzeitig den Geschmack zu mildern. Ob das Rauchen der Gesundheit dadurch tatsächlich weniger schadet, ist umstritten. Dennoch verbleibt ein wesentlicher Teil der gefährlichen Stoffe nach dem Rauchen im Filter der Zigarette. Wenn dieser in der Natur landet, können die Giftstoffe mit jedem Regenguss herausgelöst werden und in die Erde gelangen.

2 (Foto: Carla Irrgang)

 

Im Zuge ihrer Bachelorarbeit zu der Fragestellung „Welche Gefahren stellen Zigarettenstummel für die Umwelt dar?“ hat die ehemalige Praktikantin des Baltic Environmental Forums, Carla Irrgang, sich intensiv mit dem Thema der Zigarettenstummel auseinandergesetzt. Anhand eines Versuchs untersuchte sie die Auswirkungen von verschiedenen Zigarettenstummelkonzentrationen auf das Wachstum von Weißklee (Trifolium repens). Der Weißklee wurde als Versuchspflanze herangezogen, weil er im städtischen Raum sehr präsent ist und in der Natur eine wichtige Rolle einnimmt. Er verbessert die Stickstoffversorgung im Boden und ist damit auch für andere Pflanzen von Nutzen. Außerdem ist der Weißklee wichtig für die nektarsammelnden Bienen und andere Insekten.

Im Zuge des Experiments wurden Weißkleesamen in zwanzig verschiedenen Töpfen, mit variierender Anzahl von Zigarettenstummeln auf der Erde angepflanzt (s. Foto 3). Das Experiment zeigte, dass weniger Kleesamen keimten, wenn sie mit den Zigarettenstummeln in einem Topf gewachsen sind. Ebenso verzögerte sich die Ausbildung der Blätter und Stiele sowie Blattstiele erreichten eine geringere Länge als die Versuchsobjekte ohne Zigarettenstummel. Lediglich am gesamten Längenwachstum ließen sich keine Unterschiede feststellen. Insgesamt wirkten sich die Giftstoffe des Filters offensichtlich negativ auf das Wachstum der Pflanze aus.

3 (Foto: Carla Irrgang)                                                     4 (Foto: Carla Irrgang)

Um die Gefahr für die Umwelt durch das Rauchen zu verringern, wurden bereits verschiedene Lösungsansätze entwickelt, damit RaucherInnen ihr Verhalten umstellen und bedachter bei der Entsorgung der Zigarettenstummel vorgehen. Ob das durch Bußgelder geschehen sollte oder ob die Aufklärung über mögliche Gefahren den größeren Nutzen hat – solche Fragen müssen diskutiert werden, um reale Veränderungen zu bewirken.

Die Bachelorarbeit wurde durch das Baltic Environmental Forum e.V. Deutschland unterstützt und durch das INTERREG Projekt NonHazCity 2 (#X006) teil-finanziert. Die Ergebnisse und Interpretationen der Bachelorarbeit sind die der Autorin und nicht die der Europäischen Kommission.

Carla Irrgang während
ihres Praktikums bei BEF

 

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