Chemikalienmanagement

BUDNI im Interview – jetzt wird abgefüllt!

In der BUDNI-Filiale Gertigstraße existiert seit August 2020 ein neues Wegweiser-System, das nachhaltigere Produkte leicht erkennbar macht. Wie wird die Nutzung gefährlicher Chemikalien bei BUDNI eingedämmt und welche Produkte können nun abgefüllt werden? Wir haben bei einem der Geschäftsführer, Christoph Wöhlke, nachgefragt.  

Die Drogeriekette BUDNI ist bekannt für Umweltfreundlichkeit. Dies stand auch bei der im August eröffneten Filiale in der Gertigstraße im Viertel Winterhude im Fokus. Sie wurde als Pilotmarkt mit einem neuen Nachhaltigkeitskonzept ausgestattet. Durch das gesamte Sortiment zieht sich der Wegweiser, welcher anhand von vier verschiedenen Zeichen angibt, in welchen Bereichen ein Produkt bereits einen positiven Beitrag leistet. Dazu gehören die Kernthemen: die Erhaltung der Artenvielfalt, ein schonender Umgang mit natürlichen Ressourcen sowie Süßwasser- und Klimaschutz. Besonders auffällig ist die Abfüllstation für Spül- und Waschmittel, die Verpackungen einsparen soll. Hier kann der Kunde sich einmalig eine Flasche kaufen und diese immer wieder nachfüllen. Wir wollten uns selbst überzeugen! Deshalb haben wir uns in der neuen Filiale mit einem der Geschäftsführer der BUDNI-Kette, Christoph Wöhlke, über das innovative Marktkonzept unterhalten.

Werden mehr nachhaltige Produkte gekauft?

Elementar für den Erfolg eines neuen Konzeptes ist, dass die Kundinnen und Kunden überzeugt sind. Also war unsere erste Frage, ob man bereits ein verändertes Kaufverhalten beobachten kann. „Es werden mehr nachhaltige Waren gekauft als es in anderen Filialen der Fall ist“, so Christoph Wöhlke. Man könne dabei allerdings nicht immer Ursache und Wirkung auseinanderhalten, da sehr viele Dinge in der Filiale neu gestaltet worden seien, erklärt der Geschäftsführer weiter.

Filialen, die neu eröffnen, werden von Anfang an mit dem Wegweiser ausgestattet. So öffnete im November im Sonninquartier in Hammerbrook die zweite Filiale mit dem neuen Nachhaltigkeitskonzept. Weitere Filialen folgen schon bald.

Wie wurden die vier Kern-Nachhaltigkeitskriterien festgelegt?

Der WWF unterstützt als fachkundiger Berater und Partner beim Engagement für ein nachhaltigeres Produktsortiment zum Schutz von Süßwasser, natürlichen Ressourcen, Klima und dem Erhalt von Artenvielfalt. Dabei zählen die vier Ziele auch auf die Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen (Sustainable Development Goals) ein und zählen zu den wichtigsten aktuellen Herausforderungen im Umweltschutz. Zu Beginn sei es laut Wöhlke schwierig gewesen, die Bewertungskriterien festzulegen, weil man in jeder Kategorie ganz verschiedene Herausforderungen habe. Wichtige Kriterien, die in BUDNIs Wegweiser berücksichtigt werden, sind unter anderem die Inhaltsstoffe eines Produktes und der Anbau der Ressourcen die dazu benötigt werden. Nachgewiesen werden diese durch externe Zertifikate und Siegel. Diese Diversität und Komplexität seien der Grund, warum man dem Kunden mit den Wegweiser-Zeichen entgegenkommen möchte: „Wenn Verbraucher sich mit mehr Transparenz besser entscheiden können, sehen wir es als unsere Verantwortung an, einen Beitrag zu dieser Transparenz zu leisten“, erklärt der Geschäftsführer. In den BUDNI-Märkten gibt es bereits viele nachhaltigere Produkte.

Wie reagiert BUDNI auf Produkte, die als umweltschädlich bewertet werden?

Der Wegweiser gibt Aufschluss über die Umweltfreundlichkeit von Produkten. Nur Produkte, die mit den Wegweiser-Zeichen ausgewiesen sind, haben die Bedingungen erfüllt, um als nachhaltigere Option eingestuft zu werden. Einige wenige Warengruppen sind von der Bewertung ausgeschlossen. Wir haben nachgefragt: Werden Produkte, die die Bedingungen für ein Wegweiser-Zeichen nicht erfüllt haben, aus dem BUDNI-Sortiment genommen? Das sei nicht notwendig, erklärt Wöhlke. „Wir haben nicht den Anspruch, eine imperative Haltung gegenüber dem Kunden einzunehmen, nach dem Motto: Wir sagen dir, was gut ist und was nicht gut ist! Am Ende glauben wir, dass jeder Kunde, wenn er entsprechend aufgeklärt ist, für sich selbst die richtige Entscheidung treffen wird“. Dadurch nehmen Kundinnen und Kunden konkret Einfluss auf das Sortiment. Also Aufklärung und Transparenz statt Bevormundung. Diese Haltung sei auch gegenüber den Herstellern gültig und sinnvoll. „Wenn die Nachfrage bei einem bestimmten Produkt auf einmal geringer wird, stellen diese sich automatisch die Frage, woran das liegt.“ Bei der Bewertung der Produkte spiele auch die Transparenz der Lieferkette eine wichtige Rolle. Teilweise seien Produkte ohne Wegweiser also nicht einmal unökologisch, erklärt Wöhlke, die Hersteller bemühten sich nur nicht um den Nachweis in der Lieferkette und erfüllten so die Kriterien nicht.

Das Dialog-Angebot

„Wir wollen mit den Herstellern und den Kunden zusammen den Weg beschreiten und das nicht über Abgrenzung oder Ausgrenzung machen“. Das neue Konzept sei ein Dialog-Angebot. Produkte, die im Vergleich nicht so nachhaltig sind, sollen nicht ausgeschlossen werden, stattdessen setzt BUDNI auf die natürliche Auslese durch die Kaufentscheidungen der Kundinnen und Kunden. „Am Ende muss sich ein nachhaltiges Sortiment am Markt bewähren, wie es andere Sortimente auch müssen. Das ist das Prinzip der Marktwirtschaft“. Man dürfe eines nicht vergessen, erklärt Wöhlke: „Wenn bestimmte Produkte, die der Kunde haben möchte, nicht mehr bei uns angeboten werden, wird er diese woanders einkaufen und es gibt für uns keine Möglichkeit mehr, diesen Kunden mitzunehmen auf dem Weg zu einem nachhaltigeren Konsum.“

Und was ist mit den Plastikverpackungen?

Der Plastikverbrauch im Markt ist immer noch, wie in anderen Filialen und Drogerieketten auch, relativ hoch. Auf die Frage, ob es Ziele bezüglich der Vermeidung von Verpackungen gäbe, nahm Wöhlke diese vorerst in Schutz und betonte deren häufige Notwendigkeit: „Viele Produkte sind ohne Verpackung überhaupt nicht haltbar oder transportierbar.“ Das Thema Ressourcenschutz und die Recyclingfähigkeit von Produkten sei dennoch von großer Bedeutung für die BUDNI-Filialen. Das ist zum Beispiel an der neuen Abfüllstation für Spül- und Waschmittel zu erkennen. An der Station zeigt ein Zähler: Innerhalb von vier Monaten wurden beispielsweise bereits 5.000 Waschmittelportionen abgefüllt.

Was uns besonders interessiert ist der Umgang mit besorgniserregenden Chemikalien. Wie geht BUDNI mit dem Thema um?

In Erzeugnissen, wie zum Beispiel Dekoration, Haushaltsutensilien oder Kinderspielzeug, können gefährliche Chemikalien oder nach EU-Richtlinie so genannte „besorgniserregende Chemikalien“ enthalten sein. BUDNI orientiert sich an den gesetzlichen Richtlinien, die auf EU-Ebene entstanden sind. „BPA ist zum Beispiel seit Jahren nicht mehr in Kassenbons und Kinderprodukten enthalten“, erzählt der Geschäftsführer.

Unser Fazit

BUDNI hat ein innovatives und zukunftsfähiges Konzept im Kontext der heutigen Zeit geschaffen. Immer mehr Menschen wünschen sich nachhaltige Produkte, besitzen aber nicht das Fachwissen, um differenzierte Entscheidungen treffen zu können. Meistens basiert die Entscheidungsfindung der Kundinnen und Kunden auf der Bewerbung eines Produktes durch den Hersteller. Viele Firmen sehen darin einen Vorteil und betreiben „Greenwashing“, um den Käufer von vermeintlich nachhaltigen Produkten zu überzeugen. Eine 100-prozentige Nachhaltigkeit von Produkten ist schwer oder sogar nie zu erreichen. Allerdings schafft der neue Wegweiser in den BUDNI-Filialen eine hohe Transparenz beim Einkauf, die eigentlich Standard sein sollte, da sie eine nachhaltigere Kaufentscheidung erleichtert.

Dem Thema gefährliche Chemikalien wird bei dem neuen Konzept noch, verglichen mit anderen Nachhaltigkeitskriterien eine geringere Bedeutung zugewiesen. BUDNI vertraut auf die gesetzlichen Richtlinien. Aus unserer Sicht gibt es in dem Bereich noch Luft nach oben, da die Richtlinien für gefährliche Chemikalien zu locker sind. Oft werden zudem gesetzliche Grenzwerte überschritten, da es nicht ausreichend Kontrollen gibt. Dadurch gelangen gefährliche Chemikalien in unseren Körper und unsere Umwelt. Wir hoffen, dass das Thema Chemikalien-Management in Zukunft eine wichtigere Rolle in der Bewertung einnimmt, denn wir sehen insgesamt ein großes Potenzial in BUDNIs neuem Wegweiser-System!

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